Start Aktuelles Update: Wie aus „Männlein" und „Weiblein" „Fuzzi" und „Ilse" wurden

Update: Wie aus „Männlein" und „Weiblein" „Fuzzi" und „Ilse" wurden

Was im Vorfeld geschah:

Anfang Oktober erhielten wir einen Anruf aus Thüringen. Die Anruferin erzählte von ihren Nachbarn, die Probleme mit ihrem Miniaturbullterrierwurf hatten. Es gab Probleme mit 2 von den Hunden. Die beiden wären sehr klein und verkümmert. Die Hündin hat ein Problem mit dem Knie, der Rüde mit den Augen. Wir wurden gebeten bei der Vermittlung zu helfen, bzw. die Tiere bei uns aufzunehmen. Wir baten um nähere Angaben, aber das Gespräch mit dem Gegenüber gestaltete sich zunehmend schwieriger. Es war zunächst nicht klar, wer wo die Welpen hatte. Ob es wirklich Minis, „Midis" oder Standards waren?

Zwischenzeitlich fanden wir in unendlichen, mühseligen Telefonaten heraus, dass der Vater tatsächlich ein Mini ist. Er stammt von einem sehr angesehenen VDH-Züchter. Die damaligen Welpenkäufer hatten über ein Jahr auf einen Hund von ihm warten müssen und machten einen seriösen und solventen Eindruck. Sie befanden es leider nicht für nötig den Züchter zu informieren, als sie den Hund mit 3 Jahren verkauft haben. Der Züchter hatte seiner Zeit, als der PLL-Test neu war, alle seine Welpenkäufer über die Möglichkeit des Testes informiert und dazu aufgefordert den Test durch zu führen. Auch die Käufer des Rüden. Mittlerweile gehen wir davon aus, dass der Rüde zu diesem Zeitpunkt bereits weitergeben worden war. Über diverse Umwege gelangte der Rüde zu den Thüringer Vermehrern. Diese, begeistert von dem Gedanken einen echten VDH-Mini zu besitzen, hatten nichts Eiligeres zutun als sich nach einer Hündin um zu sehen. In der Nähe von Magdeburg wurden sie fündig. Es muss dort eine Vermehrerin geben, die im großen Stil „Minis" produziert. Wir gehen davon aus, dass unser Eddie auch daher stammt. Er ist so ein typischer Mini in Anführungszeichen. Wir vermitteln ihn als Standard, der er unserer Meinung nach auch ist. Leider war es bis jetzt nicht möglich nähere Angaben zu der Vermehrerin zu erhalten. Wir wären sehr daran interessiert die Dame einmal zu besuchen.

Auch unser Thüringer Vermehrerpärchen konnte keine Angaben machen. Angeblich hat der Mann, der die Hündin dort gekauft hat, vergessen, wie der Ort, der „Zwinger", oder die Verkäuferin hieß.

Die Hündin wurde, wie sich das bei einem ordentlichen Hinterhofwurf gehört, mit der ersten Läufigkeit belegt. Die Frau hatte in den Telefonaten zugegeben, dass sie einen Wurf beabsichtigt hatte, es aber nicht so funktioniert hatte. Sie hatte den Rüden noch auf die Hündin gesetzt, aber die beiden hatten angeblich keine Lust. Ja und dann muss es doch irgendwann geklappt haben. Der Mann behauptete es sei ein „Unfallwurf" gewesen und erst eine Woche vor dem Wurftermin ist ihnen klar geworden, dass es doch Welpen geben wird. Alles hat prima funktioniert. 6 Welpen kamen auf die Welt. 4 der Welpen hatten sie ganz hervorragend verkauft. Auch den einen Hund, der taub war, hatten sie super verkauft. Nur die 2, die würden ihnen Kummer bereiten. Bullterrier in Not e.V. ist doch dafür da den Tieren zu helfen. Deshalb soll BiN jetzt für geeignete Plätze sorgen. Außerdem sind sie jetzt völlig überlastet mit den Tieren und den Problemen mit ihren eigenen Kindern und und und … .

Als wir die Leute daraufhin gewiesen haben, dass der Vater der Welpen aus einer PLL-Träger mal Träger Verpaarung stammt und nachgefragt haben, ob der Rüde denn getestet sei, wurde dies verneint. Aber sie haben alle Käufer über PPL (PLL) aufgeklärt.

Solchen geistigen Dünnschiss kommentarlos ertragen zu müssen und dabei noch, im Interesse der Tiere, höflich und freundlich zu bleiben ist seelische Schwerstarbeit, wenn nicht gar seelische Grausamkeit!

Ich denke dann immer an ein Lied von, Pe Werner, „Dieses Kribbeln im Bauch …", nur geht der Text bei mir anders: „Dieses Kribbeln in der Faust!".

Angeblich ist unser Pärchen mit den Hunden in einer Tierklinik gewesen. Wir kontaktieren die Tierklinik. Obwohl wir keine Namen der Besitzer haben, ist die Dame vom Empfang bereit zu suchen und anhand einer der diversen Mobilfunknummern findet sie einen Eintrag. Allerdings ist da ein Golden Retrieverwelpe vorgestellt worden und keine Minis. Den Namen der Leute will sie jedoch aus Datenschutzgründen nicht nennen. Es steht jetzt der Verdacht im Raum, dass zusätzlich zu den Minis auch mit Goldies die Haushaltkasse aufgebessert werden soll. Später wird sich herausstellen, dass die beiden tatsächlich einmal vorgestellt wurden. Der Rüde wegen der Augen, die Hündin wegen des Knies. Allerdings unter einem ganz anderen Namen und einer weiteren Handynummer.

Wir bitten um Fotos von den Kleinen (Diese Bilder werden wir hier aus Urheberrechtsgründen nicht veröffentlichen). Die Hunde wirken klein, jedoch ist die tatsächliche Größe nicht abschätzbar. Die Haut wirkt an den Pfötchen leicht verändert. Ähnlich wie bei einer Allergie. Die Augen bläulich. Es wird uns versichert, dass beide Hunde in der Lage sind zu sehen.

Und leider die wichtigste Frage, kann der Verein es sich finanziell leisten die Beiden auf zu nehmen? Was wird an Tierarztrechnungen auf uns zu kommen? PLL? Sind die Hunde vermittelbar? Wie lange werden wir für sie aufkommen müssen? Solche Fragen sind für uns grausam. Das Herz sagt: Wir müssen helfen und wir wollen helfen! Der Verstand und ein Blick auf den Kontostand sagen: Es geht definitiv nicht.

Es tut unendlich weh, wenn man aus Verstandesgründen „nein" sagen muss. Aber es ist leider Teil unseres Alltags.

Auch bei den beiden Welpen sagten der Verstand und Konto deutlich „nein". Aber kann man wirklich diesen armen Würstchen die Hilfe verweigern … .

Wir haben hin und her überlegt und uns dann entschlossen, dass wir sie aufnehmen. Irgendwie werden wir es schaffen! Wir müssen es schaffen!

Wir suchten händeringend nach einer Pflegestelle für die 2 Kleinen. Welpen im Tierheim, dass finden wir nicht gut. Plötzlich kam ein Anruf der Nachbarin. Sie teilte uns mit, dass die Frau des Vermehrerpärchen die Hunde jetzt ganz toll untergebracht hätte. Der 21-jährige Neffe der Frau, frisch nach einer 4-jährigen Haftstrafe aus dem Knast entlassen, hätte in seiner Einraumwohnung genug Platz und Zeit hätte er auch, da er ja arbeitslos sei und dieses sicher auch länger bliebe.

Auch dieses - eine Erfahrung, die man häufiger macht. Man rödelt, tut und macht und plötzlich ist dann eine angeblich ganz „tolle" Lösung durch die Problemverursacher gefunden. Die Erfahrung zeigt auch, dass diese ganz „tollen" Lösungen selten nachhaltig sind. Aber dennoch, zunächst waren uns die Hände gebunden. Bis dahin war es uns noch nicht einmal geglückt, die genauen Namen oder die Anschrift heraus zubekommen.

24.10.2012

Das Telefon klingelt um 06:30Uhr. Wer mich kennt, weiß dass ich zwar bis in die tiefe Nacht anrufbar bin, der Charme von Sonnenaufgängen sich mir nicht erschließen will. Der männliche Teil unseres Thüringer Pärchens ist dran. Er will die Hunde jetzt sofort und umgehend abgeben, die Hunde sind in einem schlechten Zustand. Wenn wir nicht heute die Hunde übernehmen, werden sie heute Abend eingeschläfert und es ist dann die Schuld von Bullterrier in Not, wenn diese Tiere sterben müssen. So, das war dann mal ein toller Weckruf! Mein Auto ist nicht in Ordnung, wie soll ich bis Thüringen kommen? Ich weiß noch nicht einmal, ob meine Kiste es am nächsten Tag bis Dortmund schafft. 2 meiner PLL-Minis müssen zur Kontrolle zu Drs. Brahm in Dortmund. Danach wollen Claudia Richter und ich uns Dortmund eine Reithalle ansehen, wo wir ein Bulli-Fest veranstalten wollen. Claudia Richter. Anrufbar, wenn auch nicht mit Begeisterung, am frühen Morgen. Wir hatten im Vorfeld bereits mehrfach über die Hunde gesprochen. Sie kennt den Fall. Sie ist sofort bereit zu helfen. Da uns ja bekannt war, dass die Tiere Augenprobleme haben, rufe ich bei Brahm an und frage, ob man aus 2 auch 4 machen kann. Ja, das geht klar. Claudia setzt sich mit den Thüringern in Verbindung und die sind bereit ihr bis Kassel entgegen zu kommen. Claudia Schürmann findet die Idee auch gut.

25.10.2012

Warum eigentlich… kann ich nicht einfach mal die Klappe halten? Zum Beispiel wenn mir wer von BiN von armen Wauzels in Not erzählt? Zuhören, „jaja" sagen und weitergehen… nein, ich muss noch nachfragen, mir Bilder angucken und schwupp… bin ich mittendrin statt nur dabei.

So auch diese Sache mit den beiden Welpen aus Thüringen. Spätestens seit ich die Bilder gesehen hatte, war klar dass wir nicht weggucken können.

Tja, und so sitze ich nun im Auto, verbringe mal wieder einen kurzfristig eingereichten Urlaubstag auf der Autobahn und fahre gen Kassel. Zielort ein Autobahnrastplatz. Ich bin sicher, ich weiß was mich dort erwartet. Wieder vertan. Ich telefoniere mich mit den Noch-Besitzern zusammen und gehe zu deren Auto. Mir wird erzählt, dass man für die Welpen leider kein Geld mehr hätte, man habe ja fünf Hunde (darunter zwei Goldies) und die Welpen zu behalten ginge nun mal leider nicht. Am Auto wird mir erst der Vater der Welpen vorgestellt. Ein richtig netter, offener und schicker Minibulli. Und dann … trifft mich der Schlag! Die Dame greift in den Katzenkorb in ihrem Auto und holt ein jämmerliches Bündel hervor. Es stinkt fürchterlich und zittert wie das berühmte Espenlaub. Ich stopfe es direkt unter meine Jacke, um es vor der Kälte zu schützen. Danach kommt der Rüde zum Vorschein. Er scheint deutlich agiler, pinkelt erstmal, will dann aber auch ins Warme.

Der erste Schnappschuss



Ich habe das dringende Bedürfnis loszufahren. Schnell noch das Schriftliche, rein ins Auto, bloß weg. Ich muss erstmal fahren. Das vertraute Geräusch meines Autos hören, alleine sein, mich sammeln und immer wieder vorsichtig in die Box auf dem Beifahrersitz gucken.

Dieser Gestank, meinen beiden Rüden hat es die Sprache verschlagen.

Claudia Richter ist unterwegs. Wir telefonieren mehrfach. Ich muss mich auch auf den Weg machen. 13:00Uhr. Claudia müsste die Welpen jetzt übernommen haben. Ich warte gespannt auf ihren Anruf. Sie meldet sich. Sonst ist sie immer fröhlich – doch jetzt. Ihre Stimme hört sich anders an. Sie ist merkwürdig und ungewohnt wortkarg. Der Weg nach Dortmund ist katastrophal. Mein Auto muckt, eine Vollsperrung. Ich werde zu spät kommen. Doch meine Gedanken sind bei Claudia. Was ist los?



Beide Hunde sind dürr, haben dicke Pfoten, rissig, dreckig und verkrustet. Die Hündin rote Beine bis zum dünnen Bauch. Ich krame im Auto nach Schokolade, Nervennahrung muss her. Plötzlich wird das kleine Ding in der Box hektisch. Kurzer Test. Tatsächlich, die Kleinen treibt der Hunger. Wenn Ihr es nicht weitersagt: ich halte am goldenen M und kaufe zwei Chickenburger. Den nackten Burger mit Salat für mich, das Chickenzeug darin bekommen die Hunde. Ich rufe Christiane an, sage ihr dass ich die Welpen hätte und dass wir uns ja gleich sehen würden. Und das sie Essen mitbringen soll für die Zwerge. Ich erwähne noch dass die beiden in einem katastrophalen Zustand sind, aber mir ist klar dass sie sich über das wahre Ausmaß kein Bild wird machen können. Außerdem muss ich zugeben das mir noch nicht wirklich nach Reden zumute war.

Die weitere Fahrt Richtung DO verbringt die Kleine schlafend bei mir auf dem Schoß und ich frage mich schon jetzt, ob ich sie wohl wieder hergeben kann.

Vorerst stand aber mal eine Trennung an, denn der Plan war die Hunde an Christiane zu übergeben, damit diese mit ihnen zu Dr. Brahm und am Folgetag in „ihre" Tierklinik fährt. Wie das so ist mit unseren Plänen: Wieder vertan...

Christianes Auto muckte und eine Vollsperrung auf der Autobahn sorgte dafür, dass es noch weniger vorwärts ging. Plan B: ich starte durch zu Brahm und stelle die Hunde dort schon vor, Christiane kommt nach. Gerade noch rechtzeitig zum Termin schlage ich dort auf und komme auch zügig dran. Die Tierärztin ist sprachlos ob dieser zwei Häufchen Elend, die ich ihr da vorsetze. Mir ist das ganze ziemlich peinlich, Fremdschämen ist angesagt. Normalerweise hätte ich mich mit Hunden in einem solchen Zustand nicht vor die Türe gewagt. Immerhin ergibt die Augenuntersuchung, dass die Zwei sehen können. Die Färbung kommt durch Ödeme, die mit etwas Glück noch zurückgehen werden. Inzwischen sind die Hunde wieder im Auto und Christiane eingetroffen. Sie bemerkt, dass wir alle etwas „stickum" sind, kann sich da aber noch keinen Reim drauf machen. Bis… bis ihre Hunde auch untersucht sind und wir gemeinsam zum Auto gehen. Wer Christiane kennt weiß, dass sie die typische Rheinländerin ist. Immer in Plauderlaune (okay, nicht früh morgens), immer schlagfertig und ich behaupte, sie verkauft im Notfall auch Kühlschränke an Eskimos. Na ja, was soll ich sagen: Ich habe es geschafft. Sie war sprachlos. Ich habe ihr die Welpen vor die Füße gesetzt und es kam . . . nichts . . . und immer noch nichts. Das Erste, was sie sagt ist „ach du scheiße". Na ja, damit war zu diesem Zeitpunkt auch alles gesagt.

Bedrückt haben wir unsere Sachen und Hunde in unsere Autos sortiert und sind losgefahren. Ich hatte richtig Bammel was die Untersuchung in der Klinik am nächsten Tag ergeben würde… .





Jetzt verstehe ich Claudias Verhalten. Ich bin schockiert. Frau Dr. Brahm-Jordan, ebenfalls sichtlich mitgenommen und bittet darum, über das weitere Geschehen auf dem Laufenden gehalten zu werden. Da die Beiden noch namenlos sind, hat Frau Dr. Brahm-Jordan die Beiden erstmal unter Männlein und Weiblein eingetragen. Das Telefon klingelt im Auto unentwegt. Ich kann erstmal nicht drangehen. Mein Gott, wie armselig die kleinen Würstchen sind! Und wie klein! Und wie sie sich über das Futter hergemacht haben. Mit so einem schrecklichen Zustand hatten wir nicht gerechnet. Claudia Rauch, unsere liebe Kollegin von Pit Staff &Co. Köln ruft an. Sie weiß auch, dass die Tierchen heute kommen sollen. Ich gehe ran und berichte ihr. Auf meinem Heimweg liegt Pit Staff auf dem Weg. Da die Staus unendlich sind und ich auf der Höhe Köln schon über 2,5 Stunden unterwegs bin, beschließe ich bei Claudia Rauch anzuhalten und die Zwergelein noch einmal zu füttern, bevor ich den Rest der Strecke fahre. Claudia kommt sofort raus und hilft mir bei den Kleinen. Die Decken sind durchgepinkelt und eingesaut. Sie rennt los und bringt einen Haufen Babydeckchen. Über ihre Wangen laufen die Tränen. So klein und armselig, wie die Beiden sind. Sie haben Hunger aber vor allem auch Lebenshunger. Nach dem sie sich die Bäuchlein vollgeschlagen haben, beäugen sie neugierig ihre Umwelt und kuscheln sich an uns. Es wird Zeit, ich fahre weiter. Das Geruchserlebnis im Auto ist unbeschreiblich. Die restlichen 4 Hunde im Auto sind sehr irritiert. Wir kommen nach fast 4 Stunden Fahrt endlich Zuhause an. Mein Mann will eigentlich schimpfen, dass ich die 2 dabei habe. Bei ihrem Anblick verschlägt es auch ihm die Sprache.

Ich bringe die ganze Bande ins Haus. Dort werden die Neuankömmlinge erstmal intensiv betrachtet. Lara, Minimädchen, 9Jahre, findet die 2 widerlich und verzieht sich in die äußerste Ecke. Julchen, 12 Jahre alte Standardhündin, schnuppert und findet sich ab. Sie ist „Kummer" gewohnt und den Neuankömmlingen gegenüber, wie immer, freundlich und eher neutral. Kitty, unser Minizwerg (9kg) ist begeistert. Endlich ist sie nicht mehr die Kleinste und sie begreift sofort, was die da zu Essen kriegen, ist allerfeinste Ware! Frankie freut sich verhalten und schüchtern. Wie für ihn üblich, nähert er sich den Beiden auf seine devote, zurückhaltende Art.







Die Beiden haben erstmal wieder Hunger. Dann wird gebadet. Bei der rasanten Duftnote der Zwei, neben Scheiße und Gammel ist auch ein dezenter Schweißfussgeruch in der Luft, nehme ich in Rücksprache mit Claudia Schürmann zunächst mal Malasept. Die Brühe ist dunkelbraun. Das Bad wird wiederholt bis das Wasser halbwegs sauber erscheint. Die Beiden haben viele Krusten an den Beinen und der kleine Rüde hat auch das Gesicht und die Nase sehr borkig.

In mir keimt ein erster Verdacht auf. Ich rufe Zorica Pljevaljcic an. Wir hatten uns erst jüngst über einen Hund unterhalten, bei dem der Verdacht bestand, dass es ein „Zinker" ist. Später stellte sich heraus, dass dieser Hund schlicht Mangelernährt war, weil seine Besitzerin den Welpen vegan aufgezogen hatte. (Ohne Kommentar!!)

Ich erzähle ihr von den Zwergen und wir vereinbaren, dass ich ihr schnellstmöglich Bilder zukommen lasse, damit sie die Bilder nach England weiterleitet. Dort gibt es eine Spezialistin für diese Hunde. Juliet Shaw, Badlesmere, befasst sich intensiv mit dem Thema.



26.10.2012

02:30Uhr in der Nacht. Die beiden haben ihre 7. Mahlzeit eingenommen. Die Hündin frisst und frisst und frisst. Der Bauch sieht gewaltig aus. Können Welpen platzen? Der kleine Rüde ist müde und schläft bereits selig und warm eingepackt. Ich bin gespannt, was der heutige Tag bringen wird. In ein paar Stunden haben wir einen Termin in „meiner" Klinik. Die Bilder sind an Zori verschickt. Ich muss ins Bett. Ich kann nicht mehr.



Nach diesem heftigen Tag falle ich spät abends ins Bett. Eigentlich bin ich hundemüde. Früh morgens habe ich erst meine vier Hunde, dann meine Oma versorgt. Ab auf die Autobahn, und dann ging der Stress erst richtig los. Als ich um 17.30 Uhr wieder nach Hause kam waren meine Hunde ausgeruht und haben mich noch gescheucht. Eigentlich, eigentlich könnte ich jetzt gut schlafen. Aber ich kriege die Bilder nicht aus dem Kopf, den Geruch nicht aus der Nase. Angst vor dem morgigen Termin in der Klinik macht sich breit. Haben wir die beiden nur geholt, um sie frisch gebadet einschläfern lassen zu müssen???



Nach nur ein paar Stunden Schlaf ist die Nacht zu Ende. Ich stehe früh auf und füttere die Beiden. Über Nacht hatte ich die 2 auf Wärmflaschen, in dicke Kuscheldecken gehüllt, in Boxen gepackt und die Boxen aufs Bett gestellt, damit ich nur ja jeden Piep mitbekomme. Es war ein bisschen eng. 3Minis, 1Standard, 2 Boxen und ich in einem Bett. Und das bei geschlossenem Fenster. Das Aroma am nächsten Morgen – unbeschreiblich!! Ich habe Kopfschmerzen.

12Uhr mittags. Wir fahren nach Mayen in die Tierklinik Baronetzky-Mercier. Chefin ist die Frau meines Vertrauens. Wir haben noch keine Namen gegeben. Noch heißen die Beiden „Männlein" und „Weiblein". Es ist der mühselige Versuch etwas Distanz zu schaffen, falls … , ja falls… . Ich melde uns an. Wie immer warte ich im Wagen, darauf, dass wir dran kommen. Wir sind dran. Barbara, eine der Sprechstundenhilfen kommt raus und hilft mir die 2 rein zu tragen. Wie alle Sprechstundenhilfen dieser Praxis ist auch sie verrückt auf Bullis. Als wir die Kleinen aus den Boxen holen, beginnt sie zu weinen. Ja, kleine Barbara, eigentlich ist auch mir danach zumute. Chefin kommt rein. Auch sie zuckt merklich zusammen. Dann gehen wir zu unserem üblichen leicht flapsigen Ton über, der oft hilft mit unschönen Dingen umzugehen.

Es wird Blut genommen. Gewogen (2,7kg und 4,5kg). Hautgeschabsel werden gemacht. Im Ultraschall stellt sich heraus, dass beide Gefäße in der Leber haben, die dort nicht hingehören. Ob ein Lebershunt, der operiert werden müsste, vorliegt wird sich zeigen, wenn die Blutergebnisse über die Gallensäuren vorliegen. Ich spreche meinen Verdacht mit LAD an. Aber auch Chefin ist ratlos. Ein LAD-Patient ist ihr auch in all den Jahren noch nicht untergekommen. Wir vereinbaren, dass wir englische und amerikanische Ärzte konsultieren, sobald uns die Ergebnisse der weiteren Untersuchungen alle vorliegen. Bei Weiblein wird noch ein Loch im Gaumensegel festgestellt und Röntgenaufnahmen des Kopfs und des Beinchen gemacht. Ihre Patella ist seitlich festgewachsen. Als Therapie vereinbaren wir Antibiose, Demodex-Behandlung und Bäder gegen die Malassezien und Futterzusätze. Wir beschließen auch, dass die Beiden Namen erhalten sollen. Wir nehmen den Kampf auf!! Die beiden Winzlinge wollen leben, also werden wir alles dafür machen.

Ich sitze mit einer Freundin im schwedischen Möbelhaus. Kaffee trinken. Quatschen. Aber irgendwie kommt das Gespräch nicht so recht in Gang. Wir starren abwechselnd auf mein Handy, dass auf dem Tisch liegt und auf die Uhr. Sie müssten doch schon lange dran sein. Schon lange wieder raus. Ist es ein gutes Zeichen das es dauert oder ein schlechtes? Verdammtes Ding, klingel endlich….!



Kaum sitze ich im Auto berichte ich Claudia Schürmann und Claudia Richter über unsere ersten Ergebnisse.



Puh, aufatmen. Es hätte schlimmer kommen können… Vorsichtiges Freuen und sofort die Sorge: und nun? Kriegen wir das gestemmt? Die Arbeit, das finanzielle? Was kommt da auf uns zu???



Zuhause angekommen wird erstmal gefuttert. Man glaubt es kaum, so winzig die 2 sind so heftig können sie sich kloppen. Ohne Aufsicht und schnelle Reaktion kann man die zwei nicht alleine lassen. Geschwisterliebe unter Bullterriern ist selten und unsere Beiden sind da keine Ausnahme. Wir müssen sie trennen. Claudia Richter hatte gestern schon schwer verliebte Augen bei der kleinen Hündin und hat sich nur schwer von ihr trennen können. Claudia ist schnell einverstanden. Am nächsten Tag werden wir uns um 10:00 Uhr treffen und die kleine Madame wird bei ihr einziehen. Der Tag vergeht wie Flug. Füttern, waschen, Pipi und Häufchen fegen und meine Rasselbande muss ja auch versorgt werden. Dazu den ganz normalen Wahnsinn, der einem so widerfährt, wenn man sich ehrenamtlich bei Bullterrier in Not engagiert ;-). Tief in der Nacht falle ich in die Besucherritze meines Bettes und versuche trotz des Sauerstoffmangels zu schlafen.



27.10.2012

Wieder früh aufstehen. Toll. Hunde versorgen. Oma versorgen. Und ab auf die Autobahn. Ich treffe mich mit Christiane bei Kölle, übernehme die Kleine. Ich suche einen Namen. Sie ist so zart, irgendwas wie „kleines Wölkchen", Täubchen, was auch immer, auf italienisch, japanisch… Wir sind bei Lina, weibliche Verniedlichung der kleinen Wolke. Man wird sehen…



Ich habe verschlafen. Scheiße. Als Erstes die Hunde versorgen. Nix läuft rund. Ungewaschen, ungeschminkt (!!!), irgendwie auch ein bisschen wild gekleidet und dreckig, die Welpen haben beim Füttern mich von oben bis unten eingesaut, springe ich ins Auto und fahre zum Treffpunkt. Burger King in Köln-Delbrück. Ob es da Frühstück gibt? Warum treffen sich Tierschutztanten gerne bei Fastfoodrestaurants? Da gibt’s Latte Macchiato! Ich liebe Latte Macchiato! Claudia anrufen und Bescheid sagen und beten, dass das blöde Auto nicht schlappt macht. Als ich endlich ankomme, will Claudia eigentlich schimpfen muss aber bei meinem Anblick lachen. Ich wirke ein wenig derangiert. Ich gebe ihr die kleine Madame, Futter, Medikamente, Wärmflasche. Kurzer Stop am Drive-In (Latte und Muffin) und weiter geht’s. Ich muss dringend Pullöverchen besorgen. Die Hundepullis, die ich zuhause habe sind alle viel zu groß. Also ab zu KiK. Babyabteilung. Größe 62 könnte passen. Ich nehme 2 mit. Damit werden wir das Wochenende schaffen.

Abends gibt Zori mir erste Rückmeldung aus England. Dort ist man anhand der Fotos sicher, dass es sich um LAD-Hunde handelt.

Ich frage an welchen Blutparametern man die Krankheit festmacht. Zori verspricht sich zu erkundigen. Sie schickt mir mehrere Links arcazy.co.uk/lad.htm und www.bullterrier-lad.com und ich lese mich in das Thema ein. Dennoch, irgendwie muss es doch auch Parameter geben, an denen man die Krankheit erkennt. Ist der Zink-Wert verändert? Später erfahre ich, dass der Zinkspiegel im Blut normal ist, der Einbau in die Zelle jedoch nicht funktioniert. Veränderte Blutwerte sind eher Calcium und Phosphor, die Antagonisten des Zinks.


Was ist LAD?

Letale Akrodermatitis. Die betroffenen Tiere werden auch Zinker genannt. Es handelt sich um ein tödlich verlaufendes Syndrom. Die Tiere sind viel zu klein für ihr Alter. Der Begriff „Akrodermatitis" ist ein Sammelbegriff für entzündliche Hauterkrankungen. Die Haut dieser Tiere weist eine Hyperkeratose auf, darauf siedeln sich Pilze, Bakterien und gerne auch Demodex-Milben an und sorgen für weitere entzündliche Prozesse. Oft haben die Tiere Kieferdeformationen, manche haben ein sogenanntes Schlangengebiss, dadurch ist die Aufnahme von Trockenfutter problematisch. Futter muss nass und eher breiig sein. Die Tiere haben Probleme mit der Wärmeregulierung. Ein Pullöverchen ist notwendig. Viele Tiere haben Durchfall. (Unsere Zwei hatten lt. des abgebenden Pärchens damit auch Probleme, bis jetzt ist das Problem bei uns noch nicht aufgetreten.) Die Nägel sind sehr brüchig. Oft ist das Nagelbett entzündet. Die Fellfarbe wirkt oft wie ausgewaschen.

Die Lebenserwartung ist gering. Die meisten Tiere versterben im ersten Lebensjahr. Es gibt einige, wenige Tiere, die ein paar Jahre alt werden. Der Zinkstoffwechsel ist gestört und leider kann das Zink nicht einfach substituiert werden. Man geht derzeit davon aus, dass es sich um einen autosomal rezessiven Erbgang handelt. Das bedeutet, dass beide Elterteile das Gen tragen müssen, um es zu vererben. Genauso wie bei der PLL.

Aber zunächst ist es nur ein Verdacht. Es könnte ja doch sein, dass die Tiere einfach nur unterernährt und dadurch mangelentwickelt sind. Aber dennoch ein relativ bedrohlicher Verdacht. Und die Engländer sind sich so sicher. Ich bin gespannt, was die Blutergebnisse zu Tage bringen werden. Dann sehen wir weiter.

Es wird sicher Menschen geben, die der Meinung sind, dass man solche Tiere umgehend einschläfern muss. Jedes investierte Geld in diese Tiere ist für diese Menschen eine Fehlinvestition. Diesen Menschen möchte ich nur sagen, wer sieht mit welcher Freude diese Tiere ihr Leben jetzt genießen, wird nicht den Schritt der Einschläferung gehen. Solange diese Tierchen schmerzfrei leben können, werden wir sie schmerzfrei leben lassen, auch wenn es uns Geld kostet, welches wir eigentlich nicht haben. Die Pflege, die Liebe und Wärme und nicht zuletzt auch das gute Futter lassen diese Beiden aufblühen. Sie sollen bei uns die schönste Zeit ihres Lebens haben, auch wenn diese vielleicht sehr endlich ist. Wir hoffen darauf, dass sich Paten für diese kleinen Mäuse finden werden, die uns unterstützen. Ich bin sicher, es gibt auch Menschen, in deren Herz auch ein Plätzchen für diese kleinen Wesen ist. Gemeinsam werden wir es schaffen!

 

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